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Wenn Grenzen als Angriff gesehen werden

Dieser Artikel ist für dich, wenn du unter Narzissten leidest, mit denen du versuchst, einen begrenzten Kontakt zu leben (z. B. am Arbeitsplatz oder in der Familie), und du trotz größter Bemühungen immer wieder zu hören bekommst, dass du eine schwierige Person bist, weil du – um überhaupt in Beziehung bleiben zu können – Grenzen setzt.

 

Ich höre das häufig von Menschen, die versuchen, ein bisschen mit ihrer narzisstischen Familie in Kontakt zu bleiben. Viele von ihnen haben einen Rahmen entwickelt, in dem sie trotz der Verletzungen, die sie in ihrer Familie erlebt haben, noch etwas Kontakt halten können (zum Beispiel nur einmal im Jahr treffen, nur für begrenzte Zeit oder nur mit einem Familienmitglied gleichzeitig, weil mehrere Familienmitglieder auf einmal nicht tragbar sind). Und als Dank werden sie als schwierig abgetan, weil sie angeblich zu viele Bedingungen für einen Kontakt stellen würden.

 

Wenn es dir so geht, dass du immer wieder hörst, dass du der Schwierige bist… möchte ich dir etwas sagen: Die „Bedingungen“, die kritisiert werden, sind in Wahrheit Grenzen. Der Narzisst kann diese nicht gut aushalten, weil er in dem Moment, in dem du selbst über dich bestimmst, nicht über dich bestimmen kann und einen Kontrollverlust erlebt. Auch erlebt er es als persönliche Kritik, wenn du nicht spurst, wie er es will. Er reagiert wütend, weil du nicht nach seinen Forderungen agierst. Narzissten wollen, dass alles zu ihren Bedingungen läuft. Wenn du eigene Grenzen setzt, reagieren sie oft mit Vorwürfen, stellen sich als Opfer dar und versuchen, über verschiedene Weisen Druck auf dich auszuüben.

 

Was hier passiert, ist, dass deine Grenze zum Problem erklärt wird, während die Grenzüberschreitungen, auf die du reagierst, kaum Beachtung finden. Deine Grenze wird als „Bedingung“ umgedeutet und du wirst dadurch als schwierig, kompliziert, egoistisch, kaltherzig oder nicht vergebungsbereit dargestellt und in Frage gestellt. Dabei ist eine Bedingung eigentlich das, was die Narzissten in deiner Familie tun: „Du darfst mich nur sehen, wenn du engen Kontakt zu mir und der Familie hast“. Eine Grenze hingegen ist „Ich kann nur einmal im Jahr Kontakt haben“. Das eine verlangt etwas vom anderen und soll sein Verhalten beeinflussen. Das andere beschreibt lediglich, was für dich möglich ist. Eine Grenze beschreibt, unter welchen Bedingungen DU teilnimmst. Sie kontrolliert nicht den anderen. Du machst einfach nur deutlich, wie du in Beziehung bleiben kannst. Aber das wird als Angriff aufgefasst.

 

Besonders auffällig finde ich dabei, dass oft nicht einmal gefragt wird, warum du diese Grenzen brauchst. In einer gesunden Kommunikation würde man hören „Das macht mich traurig. Kannst du mir erklären, was du brauchst?“ Stattdessen kommt: „Warum bist du so schwierig?“ Selbst wenn du aber gefragt werden würdest… würde deine Erklärung auch keinen Unterschied machen.

 

Oft endet dieser Druck erst dann, wenn du sehr viel Distanz zu deiner Familie einräumst. 

 

Du hast das Recht, Grenzen zu setzen und auf dich zu achten. Setz deine Grenzen weiter. Zieh Konsequenzen, wenn sie übergangen werden. Als Kind eines narzisstischen Elternteils bekommt man häufig eine therapeutische Funktion, anstatt einfach die Kinderrolle leben zu können.

 

Wenn du unter Narzissmus in der Familie leidest, dann lies gern mein Buch „Narzissmus in der Familie – Untersuchung eines Verbrechens“. Ich glaube, dass es dir noch mehr Klarheit und Unterstützung geben kann. Es hilft dabei, Worte für das zu finden, was du vielleicht bisher nicht in Worte fassen konntest. Und es vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein. Vor allem macht es deutlich: Du bist nicht der Fehler im System – das System ist der Fehler. 

 

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