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Warum die GANZE Familie dich als Sündenbock braucht

Die Themen, auf die ich in diesem Artikel eingehe, sind:

 

        -        Warum es mehr ist als nur narzisstischer Missbrauch, unter dem du leidest, wenn du in einer narzisstischen Familie mit der Sündenbockrolle aufgewachsen bist

 

        -        Warum es dir auch nach Treffen mit „empathischen“ Familienmitgliedern schlecht geht und warum du keinen richtigen Grund dafür findest (weil dieser nicht leicht zu durchschauen ist)

 

        -        Warum es dich nach dem Kontakt zu deiner Familie in tiefe Krisen stürzt

 

 

Warum es mehr ist als nur narzisstischer Missbrauch, unter dem du leidest, wenn du in einer narzisstischen Familie in der Sündenbockrolle aufgewachsen bist:

 

In narzisstischen Familien gibt es nicht nur narzisstischen Missbrauch, der von den Narzissten ausgeht, sondern es gibt auch noch eine zweite Ebene an Missbrauch: das sogenannte Family Scapegoat Abuse. Das ist ein Begriff, den die Psychotherapeutin Rebecca C. Mandeville geprägt hat und mit dem sie ein Muster von emotionalem Missbrauch innerhalb einer Familie beschreibt, bei dem ein Familienmitglied – häufig ein Kind – systematisch zum „Sündenbock“ gemacht wird. Die betroffene Person wird wiederholt für familiäre Probleme verantwortlich gemacht, abgewertet, ausgegrenzt oder beschuldigt, während die eigentlichen Dysfunktionen des Familiensystems verdeckt bleiben. Und zwar von der GANZEN Familie. Der Sündenbock wird nicht nur von den Narzissten missbraucht, sondern von der ganzen Familie. Der Sündenbock reguliert die Spannungen der gesamten Familie.

 

 

Warum von der ganzen Familie?

 

In einer narzisstischen Familie gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: „Der Narzisst hat recht, und der Sündenbock ist das Problem.“ Jeder hat dem Folge zu leisten. Narzisstische Familien sind Minisekten. Wer es wagt, anders zu denken, würde

 

        -        einsehen, dass die Mutter oder der Vater der Täter ist (und damit das Bild von einer „heilen“ oder zumindest „normalen“ Familie komplett zerstören).

 

        -        erkennen, dass die betreffende Person selbst Teil eines grausamen Systems war und dich im Stich gelassen hat (was massive Schuldgefühle in ihr auslösen würde), und erkennen, was sie selbst für einen Schaden genommen hat, denn niemand kommt unbeschadet aus solchen Systemen. Weil diese Erkenntnisse sehr schmerzhaft sind, bleiben sie manchen Menschen deshalb ein Leben lang verwehrt.

 

      -    riskieren, selbst zur Zielscheibe der Mutter oder des Vaters zu werden, wenn sie sich auf die Seite des Sündenbocks schlägt.

 

Außerdem hat jeder aus solchen Familien seine eigenen Themen. Niemand hat gelernt, mit Scham, Fehlern oder Kritik gesund umzugehen. Gesunde Menschen können Fehler sehen, sich mit ihnen auseinandersetzen und trotzdem in Verbindung mit sich selbst und anderen bleiben. Menschen aus dysfunktionalen Familien erleben Kritik hingegen nicht als Information, sondern als Bedrohung. Weil deine Familie daran gewöhnt ist, Spannungen und „Fehler“ auf eine Person zu projizieren, wird dieses Muster zur Standardlösung. Das bedeutet: Eigene Fehler müssen nicht integriert werden, unangenehme Gefühle müssen nicht ausgehalten werden und Verantwortung wird ausgelagert.

 

Das heißt praktisch: Sobald es einen Konflikt gibt oder du etwas ansprichst, was dich verletzt hat (was ja gut ist, denn zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren nur, indem wir kommunizieren, uns mitteilen und aufeinander Rücksicht nehmen) bist du „zu empfindlich“, „schwierig“, „aggressiv“, weil diese Menschen nicht gut Verantwortung übernehmen können. Verantwortung übernehmen würde bedeuten: Sich zu reflektieren, ggf. sich zu entschuldigen, an sich arbeiten, mit sich selbst in Kontakt sein – und da ist der Weg leichter, zu sagen: Du bist der Schwierige, warst du ja schon immer.

 

Es gibt aber auch ganz klar sadistische Familienmitglieder, die ganz genau wissen, was sie dir antun, und eine Genugtuung dabei empfinden, dich herabzusetzen.

 

 

Warum geht es dir aber schlecht, wenn du dich mit empathischen Familienmitgliedern triffst?

 

Die Antwort ist ganz häufig: Verdeckte Abwertung (covert abuse) über Kondeszendenz. 

Weil empathische Familienmitglieder sich selbst als gute und mitfühlende Menschen sehen wollen (und es oft auch sind), werten sie dich meist nicht offen ab. Sie tun es verdeckt, verpackt in ein mitleidiges, besorgtes Gewand. Man nennt es Kondeszendenz oder Herablassung.

 

Es zeigt sich z.B. in einer Form von „herablassender Fürsorge“. Sie sieht oberflächlich aus wie Mitgefühl, findet aber nicht auf Augenhöhe statt und stellt ein Machtgefälle her:

 

Es sind Sätze wie:

 

„Du kommst auch schon noch an den Punkt in deinem Leben, wo du das geschafft hast...“ oder „Wir machen uns alle so große Sorgen um dich.“

 

Oder dass sie dir signalisieren, dass sie über dir stehen. Mir geht es gut, ich bin stabil und du bist das Problem/schwach.

 

Oder indem sie dich bemitleiden - an Stellen, wo gar kein Mitleid angemessen ist. Da stülpen sie dir dann eine Opferrolle über, die du gar nicht willst. Damit sie und die Familie höher stehen.

 

Manchmal ist es auch einfach nur ein bemitleidender Blick. Deine Erfolge werden ignoriert und der Fokus wird auf deine Schwächen gelegt. Wenn keine Schwächen da sind, schaffen sie welche. Diese Form von scheinbarem Mitleid spricht dir deine Stärke, deine Resilienz und deinen Erfolg ab, dein Leben trotz dieser Familie gemeistert zu haben.

 

Das Gefährliche an dieser verdeckten Abwertung ist, dass sie keine sichtbaren Wunden hinterlässt. Es sind keine offensichtlichen Beleidigungen. Sie ist so subtil, dass du am Ende dasitzt, dich extrem schlecht fühlst, aber nicht genau sagen kannst, warum. Es ist wie ein unsichtbares Gift.

 

Das Resultat bei dir: Du bist verwirrt. Wenn du dich beschwerst, bist du der Überempfindliche, denn die andere Person hat ja nichts Böses gesagt. Das kann wie Gaslighting wirken, denn dadurch beginnst du an deiner Wahrnehmung zu zweifeln: „Er sagt liebe Worte zu mir und trotzdem fühlt es sich schlecht an – was stimmt mit mir nicht?“

 

Wie in meinem Artikel über Dissoziation beschrieben, ist das Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung für den Körper sehr anstrengend. Es ist für jeden Menschen extrem anstrengend, weil es das Gehirn in massiven Stress versetzt: Es wird eine Art Überlebensangst ausgelöst, weil wir das Gefühl haben, unseren inneren Kompass zu verlieren oder ihm nicht trauen zu können. Wer an seinen eigenen Sinnen zweifelt, kann Gefahren nicht mehr richtig einschätzen, ist orientierungslos und dieser Kontrollverlust fühlt sich wie eine Lebensbedrohung an. Für traumatisierte Menschen ist das besonders schlimm, da sie sowieso die ganze Zeit im Dauerstress sind. Dann kann es noch schneller und heftiger zu Erschöpfung oder Dissoziation kommen.

 

Doch zurück zu den empathischen Familienmitgliedern: Es ist keine echte Empathie, sondern eine Mischung aus emotionaler Distanzierung und Selbstberuhigung: Sie sind okay, und du bist das Problem. Und das lässt Betroffene oft wütend zurück. Verständlich: Du bist permanent der Abfalleimer. Kein schöner Job. Narzisstische Familien müssen dich klein halten, damit das System stabil bleibt.

 

Warum tun empathische Familienmitglieder das?

 

     1. Selbstwertregulation

 

Das Abwerten dient der eigenen Selbstwertregulation: Sie werten sich selbst auf, indem sie dich abwerten. Ja, auch empathische Menschen nutzen diese Technik. Zwar unbewusst, aber das ist egal – die Auswirkungen auf dich sind dieselben.

 

2. Loyalität dem System gegenüber

 

Neben der eigenen Unfähigkeit zur Reflexion ist es bei diesen empathischen Familienmitgliedern oft auch die Loyalität dem System gegenüber: Diese Menschen möchten und müssen glauben, dass die Familie gut ist, denn:

 

Das empathische Familienmitglied nimmt zwei völlig widersprüchliche Informationen wahr: „Ich liebe meine Familie und sie ist gut“ vs. „Meine Familie tut einem Mitglied Unrecht / ist grausam“

 

Weil das Gehirn diesen unerträglichen Widerspruch (kognitive Dissonanz) nicht aushält, passiert Folgendes: Sie lösen diesen unerträglichen Widerspruch auf, indem sie sich die Realität zurechtbiegen und sich sagen: „So schlimm ist es nicht“, „Irgendwas wird sie schon dazu beigetragen haben“ oder „Sie ist halt schwierig“. Damit schützen sie ihr eigenes, heiles Weltbild.

 

Sündenböcke erfüllen eine lebenswichtige Funktion in einer dysfunktionalen Familie: Sie tragen alles Schlechte und regulieren die Spannungen. Wenn das empathische Mitglied diese Rolle und das System infrage stellen würde, geriete das ganze Kartenhaus ins Wanken. Deshalb wird der Sündenbock nicht aus seiner Rolle herausgelassen.

 

Auch fühlen sich empathische Familienmitglieder zutiefst der Familie gegenüber verpflichtet. Wenn sie dich wirklich auf Augenhöhe sehen und dir glauben würden, würde das bedeuten, dass sie sich aktiv gegen das System stellen müssten. Und das können oder wollen sie nicht.

 

 

Warum es dich in tiefe Krisen stürzt:

 

Der Hauptgrund dafür ist oft das sekundäre Gaslighting durch die „empathische“ Person.

 

Wenn der Narzisst dich abwertet, tut das weh, aber es überrascht dich nicht mehr. Wenn aber die empathische Person, der du vertraust, sagt: „Ach, Mama/Papa meint das nicht so“, „Du bist aber auch sehr empfindlich“ oder „Lass uns doch einfach Frieden halten“, passiert Folgendes:

 

       -       Dein eigenes Wahrnehmungssystem (dein Bauchgefühl) wird komplett sabotiert.

 

          -       Du fängst an, an deinem eigenen Verstand zu zweifeln („Bin ich vielleicht wirklich das Problem? Überreagiere ich?“).

 

Dieser innere Krieg im Kopf nach dem Treffen – der Versuch, die eigene Realität gegen die Verharmlosung der „Lieben“ zu verteidigen – ist das, was energetisch so massiv auslaugt und in die Krise führt. Aber auch, dass dir deine Erfolge abgesprochen werden und du hinterhältig runter gemacht wirst.

 

 

BESCHÜTZE DICH! Niemand aus deiner Familie wird es tun.

 

Schaffe die Bedingungen für ein Treffen so, wie du es schaffst.

 -        Klare Rahmenbedingungen: 1-2 Stunden. An einem neutralen Ort, von dem du leicht weggehen kannst.

 

 -        Keine tiefen Einblicke in dein Leben: Teile nicht deine Sorgen, deine Träume. Plane für die Stunden (oder Tage) nach          dem Treffen etwas extrem Schönes und Erdendes nur für dich ein.

 

 -        Danach ein Termin einen Termin bei deinem Psychotherapeuten

 

 -        Unternimm etwas, was dich erdet.

 

 -        Ein Treffen mit einem echten Freund, der dich spiegelt und validiert, oder Sport. Du musst das Adrenalin und das                Cortisol wieder abbauen.

 

 -        Suche Halt im Gebet bei Jesus. Lass dir von ihm deine Würde und Stärke zusprechen, wenn deine Familie versucht,          sie dir abzusprechen.

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